craftymunster

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Donnerstag, 22. November 2012

Nur der Pudding hört mein seufzen



Oder: mein Leben mit Kind




Kaum geht man eine Ehe und/oder langfristige Beziehung ein kommt in etwa jeder zweite Mensch deiner Verwandtschaft ( ich müsste mal eine Studie darüber anfertigen wie viel Prozent davon weiblich sind. Vorab schätze ich es tendiert zu einer sehr soliden 50 ) auf die Idee, dir ein Leben mit Kindern schmackhaft zu machen.
" Es ist so schön!"
" Ein Kind macht eine Partnerschaft erst komplett"
" Das Verändert dein Leben total - posivitiv mein ich jetzt"
" Kinder sind ja sooo eine Bereicherung"

- ihr kennt die Floskeln.

Hat man sich dann bequatschen lassen folgt - häufig noch im Wochenbett!!! -  die Frage:
" Und wann kommt das Zweite?"

Ich bin da höflich und halte es wie an der Wursttheke, wenn eine übereifrige Wurstwarenfachverkäuferin angestürmt kommt um es ihrer Kollegin gleichzutun und noch einmal meine Bestellung aufnehmen will:
"Nein Danke, ich bin schon bedient!"
Und mal ganz ehrlich Mädels, letztendlich ist es das doch. Eine Entscheidung an der Wursttheke.
"Die Fleischwurst mit oder ohne Pelle?"

- Ich glaub ich nehm heute mal Knoblauch  -

Ja, Kinder verändern ein Leben total. Und ich meine jetzt nicht durchwachte Nächte, in denen ich viel Lärm ertragen muss, das hatte ich früher auch.
Der entscheidende Unterschied ist hier aber: habe ich früher nachts um zwei triefnasse Schlafanzughosen in die Dusche geworfen, das Bett bezogen oder nasse Handtücher im Zimmer verteilt und damit das Ambiente einer finnischen Dampfsauna nachgeahmt, damit mein wechselweise schluchzend-schreiendes, hustendes oder einfach stur weiterschnarchendes Kind eine halbwegs husten-freie/trockene oder wie auch immer angenehme Nacht hat?
NEIN! Ich habe nachts um zwei zu wummernden Klängen getanzt, das Achte allerletzte Bier für heute bestellt oder lautstark über das Weltgeschehen diskutiert.

Ich konnte konstruktiv zu Konfliktlösungen beitragen und habe es immer auf bissig-humorvolle Art geschafft meinen Standpunkt zu vertreten. Meine Meinung war geschätzt und gefragt. Nie hätte ich mich zu Sätzen hinreißen lassen wie:
"Wenn du nicht augenblicklich damit aufhörst, dann rufe ich das Christkind an und sage ihm es soll dir dieses Jahr keine Geschenke bringen!"
Oder gerne auch mal: "Dann geh ich jetzt ohne dich! Tschüss"

Nur dass das heute keinen interessiert!
Emily fragt mich höchstens ob sie das Christkind auch mal sprechen kann, sie möchte mal was nachfragen. Oder: Rufst du bei dem zuhause an oder auf dem Handy?
Und schon im zarten Alter von einem knappen Jahr hat mein Kind mir fröhlich hinterhergewunken wenn ich Anstalten machte den Spielplatz ohne es zu verlassen.

Eine Kassiererin im Drogeriemarkt hat uns beide ein paar mal gemeinsam erlebt, bevor sie mir von ihrer Tochter erzählte und dabei den ominösen Satz sagte: "Die ist schon mit drei Jahren auf die Welt gekommen"
Heute glaube ich das zu verstehen. Ich habe manchmal das Gefühl, meine Tochter wurde als alte Frau geboren.

Ich muss dazu vielleicht einen kurzen Umriss von Emily schaffen:

Also ich bin der festen Überzeugung sie ist die Wiedergeburt eines großen Mannes, der in Verrichtung seiner wichtigsten Geschäfte urplötzlich dahingeschieden ist. Es muss sich dabei um einen 6 Zentner schweren Bauarbeiter gehandelt haben. Ihr wisst schon, so einer bei dem man die "Bauarbeiterritze" auch dann sieht wenn er sich nicht bückt.

Meine Tochter ist im Oktober drei Jahre alt geworden. Sie schnarcht so laut, dass sogar ich ( selbst bekennender Schnarcher und Bomben-Schläfer) Schwierigkeiten habe daneben ein Auge zuzumachen. Wenn sie hustet bin ich gewillt mich nach dem 90 jährigen Zigarrenraucher umzudrehen, der jeden Augenblick sein Gebiss samt Lungen-inhalts vor sich ergehen lassen wird.
Mädchen pupsen angeblich, irgendwas zwischen pütpüt und pffft.
Nicht meine Tochter! Sie Schlurzt, so klingt es jedenfalls. Flatternde Fürze, von mehreren Sekunden Länge, die den Hosenboden flattern lassen. ( Sorry Emmy, aber so ist es)

Noch dazu ist sie eine Mischung aus Dalai-Lama und Meister Joda. Ihre häufigsten Sätze lauten:
"Och Menno, ich kann voll gar nicht überhaupt richtig reden."
"Ich will apfelscheule trinken.Nicht"
"Mama, Verzähl mal von den Babys"
"Was hast du gesagt? Du musst lauter sprechen!" ( ich sags ja, sie ist mindestens 90)
Und mein liebstes Orakel ist: " Du bist alt, der Papa ist alt und ich bin sauber!"

Sie ist drei Jahre alt und kennt das komplette Alphabet. Na ja bis auf den Buchstaben "J" aber das würde auch bedeuten, dass sie die Existenz des Wörtchens "Ja" akzeptieren müsste, also ist der Buchstabe "J" ersatzlos gestrichen.
Sie kann bis 19 zählen und erfindet gern Geschichten über Dinge die sie erlebt hat als Mama und Papa noch nicht auf der Welt oder aber kleine Babys waren ( das soll erklären warum wir uns nicht daran erinnern können). Sie macht Puzzles mit der bunten Seite nach unten, sonst ist das Langweilig und sie kennt so ziemlich jedes bekannte Lied von Bruno Mars auswendig.
Sie macht mich oft wahnsinnig!

Aber meistens macht sie mich glücklich.

Und wann immer ich genervt oder gestresst bin und mich frage ob es eine meiner klügeren Entscheidungen war eine Familie zu gründen erinnert sie mich daran, dass es meine beste war.
Klar ist es nett nachts um zwei rauschende Partys zu feiern, aber das echte Glück das ich jetzt empfinde ersetzt es nicht.

Dann tanz ich halt ums Töpfchen, diskutiere um Schokolade oder nicht Schokolade und "Verzähle" Geschichten über Babys und bin alt und nicht sauber aber froh!

Meine Fleischwurst nehm ich trotzdem mit Pelle.................und Knoblauch, sicher ist sicher ;-)



PS: "Nur der Pudding hörte mein seufzen" ist eines der genialsten Bücher die ich jemals gelesen habe. Geschrieben von der großartigen  Erma Bombeck und auch als Hörbuch ein absoluter Knaller!

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